Gelddruckmaschine?

17. Juni 2016 | Von | Kategorie: Internet

Heute ist mir mal wieder die ultimative Gelddruckmaschine von einem Bekannten in die Timeline bei Facebook gespült worden. Dabei soll man quasi ohne eigenes Zutun in aus 50 € innerhalb von knapp 2 Jahren 300 € machen können. Ich denke, das ist zu gut, um wahr zu sein. Ganz am Ende gibt es eine Beispielrechnung, die zeigen soll, warum ich meine, dass das nicht funktioniert und man damit langfristig sicher kein passives Einkommen aufbaut.

Schauen wir uns das mal genauer an … das System baut drauf auf, dass man sogenannte Token kauft.
Ein Token kostet 50 $.
Davon wandern 40% in den Pool, der an die Mitglieder wieder ausbezahlt wird, also 20 $.
Weitere 12% gehen an den, der einen dahingebracht hat, also nochmal 6 $.
Und derjenige, der den geworben hat, bekommt auch nochmal 12%, wieder 6 $.
Dann gibt es noch einen Pool von 16%, der nach einem unbekannten Schlüssel verteilt wird, nochmal 8 $.
Damit werden vom eingesetzten Kapital schon mal 40 $ wieder ausbezahlt.
Die restlichen 10 $ sollen dann den Ertrag erwirtschaften. Klingt seltsam.

Zusätzlich zu den Auszahlungen erhält man für die Tokens außerdem die Möglichkeit, Werbung zu buchen, damit scheint man das Schneeballsystem in die Legalität zu bugsieren, weil man ja eine Gegenleistung für sein eingezahltes Geld erhält und die Auszahlungen ja „nur“ ein nachträglicher Rabatt auf den Kaufpreis sind (Payback). Je nachdem, welche und wie viele Werbeeinblendungen und vor allem wo diese eingeblendet werden, kann man darüber zumindest Werbung für ein eigenes Projekt platzieren. Davon braucht man sich aber, denke ich, auch nicht all zu viel versprechen – 200 „Klicks“, vermutlich eher automatisierte Besucher, die dafür minimal bezahlt werden (Stichwort Surfbar), oder 2.000 Bannereinblendungen (wo auch immer) – und wer sich mal mit Bannerwerbung beschäftigt hat, weiß, dass die Klickraten dort auch eher gering sind.

Die Höhe der täglichen Auszahlung richtet sich nach der Anzahl aller verkauften Tokens der Vorwoche, variiert also und wird mit ca 1% angegeben. 1%, wovon die Hälfte abbuchbar ist und die andere Hälfte zum Neuerwerb von weiteren Tokens verwendet wird, wenn ich das richtig verstanden habe. Auszahlberechtigt ist ein Token 600 Tage lang, das wären dann die besagten 300 $. Wovon aber scheinbar 150 $ nur zum Kauf von neuen Token verwendet werden können.

Man kann es aber auch einfach als Lottospiel sehen und hoffen, dass man selbst noch so früh dabei ist, dass man noch bei der Auszahlung dabei ist, bevor die Blase platzt. Dafür muss man sich nur

  1.  anmelden und ein Token kaufen
  2. das Geld abschreiben 🙂
  3. warten und hoffen.

Ein anderes Mitglied dieses Projekts war von der Sache sogar so überzeugt, dass es mir einen Token geschenkt hat, als es meine sanfte Kritik gelesen hatte und meinte, ich soll’s ausprobieren, damit ich weiß, wovon ich rede bzw. schreibe. Na ja, einem geschenkten Gaul … Wenn ich dann in 200 Tagen noch nicht in der Südsee bin, werde ich hier über den Ausgang dieses Experimentes berichten 🙂

Hier mal ein paar Berechnungen:

  • Berechnung: Die erste wäre für das, was mir passiert ist, ich bekomme so einen Token geschenkt und lass ihn liegen; die 1% Gutschrift pro Tag scheint aktuell zu stimmen, rechnen wir mal damit 🙂
    1.Tag: 1 Token geschenkt bekommen (bei 1% Rückerstattung pro Tag sind das je 0,25 $ auf dem ReBuy und dem Auszahlguthaben/Tag)
    80. Tag: 20 $ Guthaben -> auszahlen lassen
    160. Tag: wieder 20 $ Guthaben -> auszahlen lassen
    200. Tag: 50 $ ReBuy-Guthaben -> 2. Token kaufen (ab sofort 0,50$/Tag)
    —> kurzer Einwurf: Jetzt kommt der komische Punkt; inzwischen sind 2 x 20 $ ausbezahlt worden und man erhält ein weiteres Token, bei dem wie oben beschrieben wieder 40 $ in den Pott zur Auszahlung kommen (Wo kommen die her?), aber spinnen wir mal weiter …
    221. Tag: wieder 20 $ auf dem Auszahlguthaben -> auszahlen lassen (das 3. Mal 20 $ = 60 $, das sind 10 $ mehr als einbezahlt)
    261. Tag: wieder 20 $ auf dem Auszahlguthaben (80 $)
    300. Tag: 50 $ ReBuy-Guthaben -> 3. Token kaufen (0,75/Tag und 20 $ auf dem Auszahlguthaben (100$))
    328. Tag: 20 $ Auszahlguthaben (120 $)
    354. Tag: 20 $ Auszahlguthaben (140 $)Der Einfachkeit halber beenden wir die Berechnung jetzt mal hier und ziehen ein Fazit:
    Einbezahlt wurden 50 $, ausbezahlt 140 $ – ohne Betrachtung der nachgekauften Token. Das wäre eine Verzinsung von 180%, alleine diese Zahl zeigt doch, dass da was nicht funktionieren kann – da wird Geld ausbezahlt, dass diejenigen, die nach einem angefangen haben, einbezahlt haben; wenn keiner mehr einzahlt, versiegt der Auszahlungsstrom und das Ganze platzt; gut verdient haben die Schnellsten und die Letzten schauen in die Röhre.Werfen wir noch einen Blick auf die nachgekauften Token: Am 200. und am 300. Tag sind ja ohne Kapitaleinsatz wieder jeweils 1 Token ins System gekommen. Wir erinnern uns, davon gehen immer 40 $ in einen Auszahlpott; derjenige, der mir den einen geschenkt hat, bekommt dafür mindestens 12 $ zurück, der den geworben hat, auch 12 $ und irgendeiner wird die 18 $ aus dem Pott mit dem unbekannten Verteilschlüssel auch bekommen.Ich hab Excel das mal auf 600 Tage hochrechnen lassen mit 1% täglicher Auszahlung; das würde bedeuten, nach diesem System (immer bei 20 $ auszahlen lassen und immer, wenn das ReBuy-Guthaben 50 $ erreicht, einen Token nachkaufen), dass nach 600 Tagen 11 Token auf dem Konto sind, 35,25 $ auf dem ReBuy-Konto sind und 535 $ sollen dann an mich ausbezahlt worden sein. 440 $ sind in den Pool gewandert, von dem andere profitieren und das Ganze soll aus 50 $ Einzahlung generiert worden sein. Denkt selber …

Wenn das so funktioniert, dann wäre das eine Gelddruckmaschine. Aber woher soll das Geld kommen? Niemand hat Geld zu verschenken und im Internet schon gleich gar nicht. Ich schreibs nochmal:

Da wird Geld ausbezahlt, dass diejenigen, die nach einem angefangen haben, einbezahlt haben. Wenn keiner mehr einzahlt, versiegt der Auszahlungsstrom und das Ganze platzt. Gut verdient haben die Schnellsten und die Letzten schauen in die Röhre.

 

Ein Kommentar auf "Gelddruckmaschine?"

  1. Hallo Ingo.

    Ich war der Bekannte, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Und ja, ich habe es am Anfang auch nicht geglaubt – obwohl ich bei einem Freund gesehen habe, dass es funktioniert…

    Trotz allem: was ich gesehen habe ist nur, das jemand der 1 Jahr dabei ist Geld verdient… das er es auf seinem Konto hat, muss ich so glauben.

    Ich hab danach erstmal 1 Woche lang gerechnet und Tabellen gemacht, und ja, es gibt einen Hacken:
    Der nächste Tsunamie, das nächste Flugzeug im World Trade Center … es gibt immer etwas, was eine Firma oder einen System schaden kann. Und dann ist es wie bei Aktien… Puff, Geld weg.

    Es ist daher gut, wenn Du diesen Block machst, denn ganz ungefährlich ist es nicht. Ja, man kann viel Geld damit verdienen – und Ja, man kann auch schnell viel Geld verlieren. Denn: egal wie andere es nennen, es ist und bleibt ein Schneeballsystem >> es kann zusamenbrechen – ABER:
    Ich habe mir 2 Fragen gestellt:

    1. Kann ich schnell genug Geld wieder rausziehen, so daß ich ohne Verlust das mal ausprobieren kann.
    2. Wie lange hält das System, bis es wieder zusammenbricht.

    Also ich würde mich gerne am Block beteiligen und meine Erfahrungen zur Verfügung stellen. Entweder als Warnung, oder als Beispiel wie es funktionieren könnte. Die Zeit wird es zeigen.

    Ich möchte was zu Punkt 2 sagen: Wie lange hält das System?
    Diese Menschen werden geschickter. Sie bauen diese Systeme heutzutage geschickter, dadurch halten Sie länger. Nicht ewig, aber länger. Das Geld das investiert wird lassen sie arbeiten. Dadurch kommt Geld hinein, was den Pott länger am Leben hält. Leider weis ich nicht, wie lange so ein System hält…..

    Zu Punkt 1: Wie schnell kann ich das Geld wieder rausziehen.
    Hier hast Du einen Rechenfehler drin. Diese Systeme funktionieren nur, wenn du den Zins und Zinseszins nutzt, das heist, das Geld solange dazu verwendest wieder Token zu kaufen, bis du Täglich etwas entnehmen kannst. Und das funktioniert mit 50 Dollar nicht…

    Minimum habe ich ausgerechnet, das man 450 Euro braucht OHNE Leute, die man angeworben hat. Dann muss man das Geld 9 Monate arbeiten lassen und Token nachkaufen, um anschließend täglich 20 Euro rausziehen zu können.
    (9 Monate sind eine lange Zeit, bei einem System, das vielleicht nur 2-3 Jahre hält, und schon eine Zeitlang läuft.)

    Wir haben jetzt also 2 Systeme. Deines mit geschenkten 50, und meines mit Investierten 450 Euro.
    Deines wird nicht funktionieren ohne Leute, die du anwerben müßtest – was Du ja nicht tun wirst.
    Meines könnte funktionieren, ich werde auch Leute anwerben – die Frage bleibt:
    Werde ich genug Geld rechtzeitig rausziehen können, und wenn ja, wieviel???

    Also der Bekannte, der mir das gezeigt hat hat innerhalb 1 Jahres sein investiertes Geld zurück gehabt PLUS 3.000 Euro — Ja, 3.000 Euro… ein geiler Urlaub wär das…

    Naja, mal sehen wie es läuft. Wenn ich darf poste ich hier jeden Monat mal eine Update… und vieleicht finden sich ja andere Mittestpersonen…

    Viele Grüße, Volker Schwägerl.

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